Holzenkamp zum Vorsitzenden des Kuratoriums wiedergewählt

Berlin, 04.10.2022. Das Kuratorium der Raiffeisen-Stiftung hat Franz-Josef Holzenkamp, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) als Kuratoriumsvorsitzenden für die Amtsperiode 2022-2027 einstimmig wiedergewählt. „Die Werte Raiffeisens sind heute moderner denn je. Die Raiffeisen-Stiftung gibt mit ihren Förderprojekten entscheidende Impulse dafür, dies einer breiteren Öffentlichkeit bekannter zu machen. Ich freue mich darauf für weitere fünf Jahre die Stiftung dabei zu begleiten“, so der neue und bisherige Vorsitzende des Kuratoriums.

Holzenkamp begrüßte in der konstituierenden Sitzung des Stiftungskuratoriums nach seiner erfolgreichen Wiederwahl drei neue Mitglieder für die jetzt anstehende Amtszeit: Rechtsanwältin Dr. Andrea Althanns; Prof. Dr. habil. Jon Hanf (Hochschule Geisenheim University; Institut für Betriebswirtschaft und Marktforschung; Studienbereichsleiter Weinwirtschaft) und die Präsidentin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Ute Volquardsen. Die neuen Gremienmitglieder freuen sich auf ihre Tätigkeit für die Raiffeisen-Stiftung, um genossenschaftliche Anliegen und genossenschaftliches Unternehmertum im Bildungsbereich und in der Öffentlichkeit zu fördern.

Dem Kuratorium gehören außerdem weiterhin an: Prof. Dr. Reiner Doluschitz (Univerisät Hohenheim; Forschungsstelle für Genossenschaftswesen); Dr. Sebastian Hill (Geschäftsführender Vorstand Oberkircher Winzer eG); Axel Lohse (Vorstandssprecher RAISA eG); stellvertr. Kuratoriumsvorsitzender Siegfried Mehring (Wirtschaftsprüfer und Steuerberater) und Manfred Nüssel (Aufsichtsratvorsitzender BayWa AG).

Den ausscheidenden Mitgliedern Prof. Dr. Hermann Kuhlmann (Justus-Liebig-Universität Gießen) und Yvonne Zimmermann (Vorstandsvorsitzende der Akademie Deutscher Genossenschaften ADG e.V) dankte Franz-Josef Holzenkamp für ihr erfolgreiches Engagement.

 

Raiffeisen-Stiftung

Zweck der Stiftung ist die Förderung von ländlichen Genossenschaften, insbesondere der im landwirtschaftlichen Bereich tätigen Raiffeisenunternehmen. Gefördert werden Projekte aus den Bereichen Bildung und Öffentlichkeitsarbeit sowie Forschung und Wissenschaft.

Die Stiftung fokussiert sich vor allem auf Förderprojekte, die die genossenschaftliche Idee mit langfristigem Nutzen für den genossenschaftlichen Bereich und mit nachhaltiger Ausrichtung stärken. Auf diese Weise werden die Wahrnehmung und das Image der Genossenschaften als Gestalter im ländlichen Raum gefördert. Die Stiftung gibt mit ihrer Arbeit Anregungen, genossenschaftliche Werte und genossenschaftliches Unternehmertum stärker zu kommunizieren. Ein wesentliches Anliegen ist es dabei, sowohl Nachwuchskräfte im genossenschaftlichen Bereich zu fördern als auch das Interesse am genossenschaftlichen Ehrenamt zu wecken.

Besuch bei der Raiffeisen-Stiftung

Lena Westerhoff und Hendryk Eggers sind die ersten beiden Stipendiaten, die die Stiftung bisher gefördert hat. Sie erhielten ihre Förderung durch die Raiffeisen-Stiftung für die Teilnahme am Studienkurs der Akademie der Junglandwirte Niedersachsen, in dem junge Landwirtinnen und Landwirte zwölf Monate für die Übernahme eines berufsbezogenen Ehrenamtes weitergebildet werden. Seit Beginn des neuen Studienjahres 22/23 wird der Studiengang von der Raiffeisen-Stiftung unterstützt, um auch dem genossenschaftlichen Ehrenamt etwas größeren Raum zu geben. Durch die Auslobung von zwei Stipendien möchte die Raiffeisen-Stiftung genossenschaftliches Engagement noch stärker fördern.

Lena Westerhoff ist Landwirtschaftsmeisterin und leitet mit ihrem Vater zusammen den eigenen Betrieb mit Schweinehaltung und Ackerbau im Landkreis Vechta. Sie hatte bereits über die Familie Kontakt mit dem genossenschaftlichen Ehrenamt. Hendryk Eggers studiert aktuell Agrarwissenschaften in Osnabrück und möchte später den Betrieb der Familie mit Ackerbau und Pensionspferden übernehmen. Ihm ist ebenfalls persönliches Engagement wichtig, das er sich gut in einer Genossenschaft vorstellen könnte.

Die Geschäftsführerin der Raiffeisen-Stiftung, Marion Danneboom (Foto: in der Mitte), stellte den beiden Stipendiaten die Schwerpunkte der Stiftungsarbeit vor und diskutierte mit ihnen über die aktuelle Situation in der Agrarwirtschaft. Sie wünschte ihnen viel Erfolg für den Studienkurs und dass sie weiterhin so engagiert bleiben.

„Gedankenfutter“ macht Mut für Neues

Raiffeisenverband Westfalen-Lippe und Raiffeisen- Stiftung zeigen genossenschaftliche Zukunftswege

Eine genossenschaftliche Kooperation zwischen Westfleisch, Agravis und NABU? Nichts ist unmöglich, wenn Denkverbote fallen und gemeinsam definierte Ziele in den Fokus rücken. „Neu denken und zusammen mehr erreichen für Genossenschaften, ihre Mitglieder und für den ländlichen Raum“, ist die Botschaft, die am Donnerstagabend (18.08.) über 70 Vertreter von Genossenschaften und Kommunen in Westfalen-Lippe vom Gut Havichhorst in Münster mitnahmen. Eingeladen hatten der Raiffeisenverband Westfalen-Lippe (RVWL) und die Raiffeisen -Stiftung zu einem Vortrags- und Diskussionsabend, um „Gedankenfutter“ zu generieren für neue genossenschaftliche Geschäftsmodelle und zukunftsweisende Formen der Zusammenarbeit. „Die Genossenschaften sehen sich in radikal veränderten Märkten völlig neuen Herausforderungen gegenüber und brauchen Strategien, um die Zukunft erfolgreich zu meistern. Gleichzeitig sollten Genossenschaften noch stärker ihre Möglichkeiten nutzen, ländliche Räume zu gestalten“, sagte Friedrich Becker, Aufsichtsratsvorsitzender des RVWL.

Großes Potential, zukunftsfähige Lösungsansätze zu finden und weiterzuentwickeln, attestierte Professor Rainer Kühl Leiter des Instituts für Genossenschaftswesen der Justus-Liebig-Universität Gießen den Raiffeisen-Genossenschaften in seinem Impulsvortrag. „Sie sind als Raiffeisen-Genossenschaften gut aufgestellt und haben in der Vergangenheit schon vieles richtig gemacht“, so Kühl. Jetzt gelte es, die vorhandenen Kapazitäten und die genossenschaftlichen Stärken für Zukunftsstrategien zu nutzen. „Die dezentrale Organisation, die starke Verankerung in der Landwirtschaft und im ländlichen Raum sind dabei wesentliche Erfolgsfaktoren. Der genossenschaftliche Verbund passt perfekt in eine Zeit, in der Netzwerke immer wichtiger werden“, sagte der Wissenschaftler.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten haben die ländlichen Genossenschaften? Kühl warnte die Unternehmen vor einem verzehrenden Eskalationswettbewerb. Es gelte viel mehr, gemeinsam zu neuen Ufern aufzubrechen. Das hieße eben nicht nur bekannte Marktnischen stärker zu nutzen, sondern „Genossenschaften verfügen auch über ausgeprägte soziale Kompetenzen im Spannungsfeld von Mitgliedern, Mitarbeitern und Kunden und könnten als Kooperationsmodell gerade im Lebensmittelsektor neue Wege gehen und zum Beispiel Start-Up-Unternehmen der Branche unterstützen“, machte Kühl deutlich. Aber auch als regionale Vernetzungspartner in vielen Bereichen der Daseinsvorsorge an der Seite der Kommunen könnten Raiffeisen-Genossenschaften ihre zukünftige Rolle finden, denn „Genossenschaften sind regional sehr stark“, so Kühl. „Aber: Niemand hat gesagt, dass es bequem wird!“

Viel Stoff und Gedankenfutter für die Podiumsdiskussion mit Professor Kühl, Dr Christian Degenhardt (Vorstand RVWL), Jan Heinecke (Vorstand AGRAVIS AG), Eva Lisges (NABU NRW) und Carsten Schruck (Vorstand Westfleisch SCE) unter der Leitung von Patrick Liste (Chefredakteur Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben). Die Themen waren vielfältig:

Wie gehen die Genossenschaften als Unternehmen der Ernährungsbranche mit den veränderten Verzehrgewohnheiten der Bevölkerung um? Wie beeinflussen der Klimawandel und die Energiekrise das Geschäft? Könnten gemeinsam neue Produkte entwickelt werden? Auf welche Bereiche könnte das Genossenschaftsmodell übertragen werden?

In einer lebhaft geführten Diskussion, an der sich das fachkundige Publikum aktiv beteiligte, wurden bereits im Aufbau befindliche Zukunftsstrategie aus den Genossenschaften geschildert, aber auch welche Herausforderungen oder Probleme damit teilweise verbunden seien, zum Beispiel beim Thema Fleischersatzprodukte. Wenngleich es zum Teil kontrovers zuging, in einem waren sich jedoch alle einig: „Wir müssen viel mehr miteinander sprechen“.

Klar wurde im Podiumsgespräch, dass auch im Bereich von Umwelt- und Naturschutz genossenschaftliche Aktivitäten schon konkret denkbar sind. Wie nach niederländischem Vorbild eine genossenschaftliche Kooperation für die Umsetzung von Agrarumweltmaßnahmen und Vertragsnaturschutz und weniger Bürokratie sorgen könnte, schilderte Dr. Degenhardt. Der Raiffeisenmarkt der Zukunft könnte im ländlichen Raum zum Dreh- und Angelpunkt werden zum Beispiel mit Produkten von Direktvermarktern im Regal und dem Service einer Poststation.

Das Kerngeschäft der Raiffeisen-Genossenschaften dürfe dennoch nicht aus dem Blick geraten, wurde aus den Diskussionsbeiträgen deutlich. Gleichzeitig sei es angezeigt, sich der eigenen Stärken bewusst zu werden und auch unbequeme Themen aktiv anzufassen, um neue Geschäftsfelder zu entdecken oder aktiv neue Genossenschaften zu gründen.

„Wir sollten uns gemeinsam den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen stellen“, resümierten Heinecke und Schruck. „Das heißt auch, dass wir alte Pfründe aufgeben und neue Denkmuster zulassen müssen, um zusammen als Genossenschaften mehr zu erreichen für unsere Mitglieder und einen lebenswerten ländlichen Raum.“

Das Publikum zeigte sich mit der Diskussionsrunde und den Ergebnissen zufrieden. Die Raiffeisen-Stiftung, die die Veranstaltung initiiert hat, sieht sie als Auftakt für eine Veranstaltungsreihe und plant mit anderen genossenschaftlichen Kooperationspartnern und Unterstützern ähnliche Veranstaltungen in weiteren Regionen Deutschlands.