Masterarbeit zum Ehrenamt

Die Raiffeisen-Stiftung hat die Erstellung einer Masterarbeit an der Humboldt-Universität zu Berlin gefördert. Ziel der von Stiftungs-Professor Dr. Markus Hanisch betreuten Arbeit mit dem Titel „Verschenkte Zeit“ – eine Untersuchung zur Motivation und Förderung ehrenamtlichen Engagements in Genossenschaften“ war es, einen Beitrag zum Verständnis der Motivation von Ehrenamtlichen zu leisten. Im Interview mit der Raiffeisen-Stiftung erläutert die Masterstudentin der Agrarökonomik, Nora Haunert, welchen Nutzen ländliche Genossenschaften aus ihrer Arbeit ziehen können.

 

Raiffeisen-Stiftung:

Frau Haunert, warum haben Sie sich in Ihrer Masterarbeit gerade mit dem Thema Ehrenamt in Genossenschaften auseinandergesetzt?

Nora Haunert:

„Das Ehrenamt stellt einen wesentlichen Unterscheidungsfaktor der Genossenschaften von anderen Unternehmensformen dar. Dadurch bietet es eine Reihe von Chancen. Gleichzeitig besteht die Herausforderung Genossenschaftsmitglieder zum Engagement zu bewegen. Diese müssen gut qualifiziert und motiviert sein, einen Teil ihrer Freizeit für die Genossenschaft zu investieren. Was diese Motivation ist, wo sie herkommt und wie sie gefördert werden kann, interessiert mich. Bei weiter wachsenden Genossenschaftsstrukturen ändert sich auch die Rolle des Ehrenamts und die Suche nach potenziellen Ehrenamtlichen wird schwieriger. Daher stellt das Ehrenamt ein wichtiges Zukunftsthema für die Genossenschaften dar.“

 

Raiffeisen-Stiftung:

Was war das Ziel Ihrer Masterarbeit und wie können Genossenschaften von Ihren Erkenntnissen profitieren?

Nora Haunert:

„Ziel war es, einen ersten Schritt zum besseren Verständnis der Motivation von Ehrenamtlichen in Genossenschaften zu gehen. Die Masterarbeit leistet einen Beitrag zur Auflösung des Kenntnisdefizits in diesem Bereich. Dies ist eine Grundlage, um Instrumente und Politiken für Genossenschaften zu erkennen, die die Gewinnung von Ehrenamtlichen unterstützen. Und somit auch in Zukunft die Besetzung der ehrenamtlichen Posten zu gewährleisten. Damit kommen die Ergebnisse direkt den Genossenschaften zu Gute.“

 

Raiffeisen-Stiftung:

Wie ist Ihre Arbeit aufgebaut und wie haben Sie die Genossenschaften dabei einbezogen?

Nora Haunert:

„In drei Schritten habe ich betrachtet, welche persönlichen Faktoren und institutionellen Rahmenbedingungen die Motivation bedingen, die wiederum Grundlage für eine ehrenamtliche Beteiligung ist. Der erste Schritt war eine umfassende Literaturrecherche. Diese wurde durch Experteninterviews ergänzt. Anschließend wurden die Mitglieder von Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften in Deutschland mittels einer Online-Befragung in die Untersuchungen einbezogen. Die Einschätzungen der Mitglieder, seien es Geschäftsführer, Aufsichtsrats- oder Vorstandsmitglieder oder Mitglieder, die nicht ehrenamtlich aktiv sind, stellen das Hauptinteresse meiner Masterarbeit dar. Über verschiedene Kanäle wurden daher Mitglieder zur Teilnahme an der Online-Befragung aufgerufen.“

 

Raiffeisen-Stiftung:

Wie hat Ihnen die Förderung durch die Raiffeisen-Stiftung bei der Masterarbeit geholfen?

Nora Haunert:

„Die Förderung hat es mir u. a. ermöglicht, Interviews mit Genossenschafts- und Verbandsvertreten in ganz Deutschland zu führen. Dank der Förderung war es mir daher möglich, Informationen und Einschätzungen aus erster Hand zu erlangen. Diese waren eine unabdingbare Grundlage für die Erstellung der Online-Befragung.“

 

Raiffeisen-Stiftung:

Gab es Schwierigkeiten bei der Erarbeitung Ihrer Masterarbeit?

Nora Haunert:

„Der Kontakt zu den Ehrenamtlichen und zu den Mitgliedern, die keinen Posten in der Genossenschaft innehaben, war komplizierter als erwartet. Diese Herausforderung galt es zu meistern. Hierbei habe ich sowohl von der Raiffeisen-Stiftung als auch vom Lehrstuhl von Herrn Prof. Dr. Hanisch Unterstützung erfahren. Letztendlich hat sich die Arbeit ausgezahlt und es sind ausreichend Befragungen zustande gekommen, die ich auswerten konnte.“

 

Raiffeisen-Stiftung:

Was sind die wesentlichen Ergebnisse?

Nora Haunert:

„Durch die Untersuchungen wurde klar, dass die Genossenschaften allgemein über ein hohes Ehrenamtspotenzial verfügen, das sich aber hauptsächlich auf die Gruppe erfahrener Mitglieder beschränkt. Im Vergleich zum Ehrenamt in anderen deutschen Organisationsformen (beispielsweise Vereine), weisen die Warengenossenschaften einen deutlich höheren Altersdurchschnitt der ehrenamtlich Tätigen und eine deutlich geringere Frauenquote auf. Das Verhältnis zwischen Ehrenämtern und der hauptamtlichen Geschäftsführung ist dabei zumeist partnerschaftlich geprägt.

In Punkto Mitgliederbindung und der Kommunikation zwischen Geschäftsführung und Mitgliedern besteht Nachholbedarf: In der Nutzung neuer Medien, der direkten Ansprache junger Mitglieder und der aktiven Erschließung moderner Kommunikationswege mit den Mitgliedern besteht noch großes Potenzial für die Motivation und Gestaltung der Ehrenämter der Zukunft.

 

Raiffeisen-Stiftung:

Frau Haunert, wir danken Ihnen für das Interview!